Samstag. Die Wochen fangen bei mir jetzt mit den Samstagen an. Ich kann es mir beruflich, finanziell und gesellschaftlich nicht leisten, dass meine Redakteurin meine Artikel verfasst.
Heimspiel im Kicker-Stadion gegen Thurgi-Dom. Jo holt mich zuhause ab, weil sie Simon spielen sehen will, der auf einen Teileinsatz hoffen kann. Als ich die Tür öffne, bleibt sie im Rahmen stehen.
«Willst du nicht hereinkommen?», frage ich und bereue es auf der Stelle. Jo lächelt und macht einen Schritt nach vorne. Viel weiter kommt sie nicht. Sie hält sich die Hand vor den Mund: «Wie sieht es denn hier aus?»
Aus ihrer Stimme spricht zuerst Verwunderung, dann Entsetzen und schliesslich sogar Verzweiflung, wenn sie daran denkt, dass sie bald hier einziehen wird.
«Simon ist nicht der Ordentlichste.»
«Aber du? Wie kannst du so leben?»
«Ich habe mir geschworen, dass ich ihm nicht hinterherräume.»
«Aber so was?» Sie watet durch die Papierschlangen, die den Boden vollständig bedecken. Dazwischen Pappteller, Pappbecher, Plastikgeschirr.
«Habt ihr eine Orgie gefeiert?»
«So würde ich das nicht nennen. Eine kleine Feier gestern Nacht. Einstandsfest hat Simon es genannt. Ist im Norden so Brauch. Mit Papierschlagen und so. Die ganze Mannschaft ist gekommen. Vollzählig.»
«Die Fussballmannschaft? Gestern Nacht? Ich denke, die haben heute ein Spiel?»
Natürlich weiss Jo, dass heute ein Spiel stattfindet, wir sind ja auf dem Weg dorthin.
«Können die überhaupt noch spielen?»
«Natürlich können die noch spielen», sage ich wenig überzeugt, weil ich an die Mengen Alkohol denke, die geflossen sind. Gerst, der Spieler aus Island, hatte einige Flaschen «Brennivin» mitgebracht, ein Schnaps aus seiner Heimat mit dem Kosenamen Schwarzer Tod, der wärmt und glücklich macht – für den Moment zumindest.